Krimskrams

abc!

Sachen, die ich sonst nirgendwo unterbringen konnte... ;-)

Dunkel war's...


Version 1 - mündlich

Dunkel war's, der Mond schien helle,
schneebedeckt die gruene Flur.
Als ein Wagen blitzeschnelle
langsam um die runde Ecke fuhr.
 
Drinnen sassen stehend Leute,
schweigend ins Gespraech vertieft,
als ein totgeschossener Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.
 
Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war,
sass ein blondgelockter Knabe
mit kohlrabenschwarzem Haar.
 
Neben ihm 'ne alte Schrulle,
zaehlte kaum erst sechzehn Jahr,
in der Hand 'ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war.
 
Droben auf dem Apfelbaume,
der sehr suesse Birnen trug,
hing des Fruehlings letzte Pflaume,
und an Nuessen noch genug.
 
Von der regennassen Strasse
wirblete der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
maechtig an den Ohren fror.
 
Beide Haende in den Taschen.
hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
wie nach Veilchen roch die Kuh.
 
Holder Engel, suesser Bengel,
furchtbar liebes Trampeltier.
Du hast Augen wie Sardellen,
alle Ochsen gleichen Dir.
Autor: anonym
Quelle: Thorsten Fendel@2:2454/111.66 (Adresse im Fido-Netz), 21.6.95, kleine Modifikation am 12.10.98 auf Hinweis von Hans-Christoph Wirth (wirth@informatik.uni-wuerzburg.de)

Version 2 - Reclams Unsinnspoesie

Dunkel war's, der Mond schien helle,
Schnee lag auf der gruenen Flur.
Als ein Wagen blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen sassen stehend Leute,
schweigend ins Gespraech vertieft,
als ein totgeschoss'ner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh' lief.
Drinnen saß ein holder Jüngling,
Schwarzgelockt mit blondem Haar,
Neben ihm 'ne alte Schachtel,
Zählte kaum ein halbes Jahr,
In der Hand 'ne Butterwecke,
Der mit Schmalz bestrichen war.
Autor: anonym

Anmerkung:

Diese Version dieses Gedichtes wird in Reclams Unsinnspoesie (ISBN 3-15-009890-4) im Register anonymer Texte geführt. Verwiesen wird dort auf die Bücher

in denen ebenfalls kein Autor angegeben wird.

Das Reclambändchen ist leider relativ teuer (1998: DM 16) und im übrigen ein schrecklich langweiliger Versuch, eine Theorie des Humors an Beispielen zu verfassen. Nur für Puristen...


Version 3 - mündlich

  
Dunkel war's der Mond schien helle,
schneebedeckt die gruene Flur,
als ein Wagen blitzeschnelle
langsam um die Ecke fuhr.
 
Drinnen sassen stehend Leute,
schweigend im Gespraech vertieft,
als ein totgeschossner Hase
auf dem Sande Schlittschuh lief.
 
Und als der Wagen fuhr im Trabe
rueckwaerts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
grade eine Turmuhr auf.
 
Ringsumher herrscht tiefes Schweigen,
und mit fuerchterlichem Krach
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.
 
Und zwei Fische liefen munter
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter,
und der graue Tag erschien.
angegebener Autor: Lewis Carroll 1832-1898

Diese Version wurde mir am 2.12.1994 von Hermann Pruem@2:2452/406.3 (Adresse im Fido-Netz) zugesandt. Eine genauere Quellenangabe oder einen Verweis auf ein konkretes Buch besitze ich leider nicht. Die Autorenangabe halte ich für sehr fraglich.


Version 4 - Volksthümliches aus dem Königreich Sachsen

In
z-netz.literatur.allgemein nannte Peter Ringeisen dazu am 15.7.1998 folgende Quelle:
Das Nonsens-Buch, hrsg. Peter Köhler (Stuttgart: Reclam, 1990), S. 165

Aus
Volkstümliches aus dem Königreich Sachsen

Finster war's, der Mond schien helle
Auf die grünbeschneite Flur,
Als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.
Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Auf dem Wasser Schlittschuh lief
Und ein blondgelockter Knabe
Mit kohlrabenschwarzem Haar
Auf die grüne Bank sich setzte,
Die gelb angestrichen war.
Bei der Quellenangabe steht noch:
Volksthümliches aus dem Königreich Sachsen. Auf der Thomasschule
ges. von Oskar Dähnhardt. Bd. 1. Leipzig: Teubner, 1898. S. 58.

Das ist wohl die erste Aufzeichnung dieses heute bekanntesten 
volkstümlichen Lügenlieds, das sich in vielen späteren Sammlungen
in mannigfachen Variationen wiederholt.


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