Aus der Zeit, Nr.47 vom 14.11.97, Seite 20, im Rahmen eines sehr lesenswerten Dossiers zum Thema Rechtschreibreform.
Die Schriftsteller, die gegen die Neuregelung der Schulorthographie protestiert haben, taten es meist mit dem Argument, jede orthographische Veränderung wäre eine "Sinnentstellung". [...] [Die Autoren haben] die Literaturgeschichte gegen sich, wie das folgende Beispiel zeigt, die erste Strophe eines bekannten Gryphius-Sonetts durch dreieinhalb Jahrhunderte. [...]
1643 - 1698 - 1822 - 1880 - 1951 - 1998 - Seite zurück
DV sihst / wohin du sihst nur eitelkeit auff erden. Was dieser heute bawt / reist jener morgen ein: Wo itzund städte stehn / wird eine wiesen sein Auf der ein schäffers kind wird spilen mitt den heerden.
Erstdruck 1643
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Du siehst / wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut / reist jener morgen ein: Wo ietzund Städte stehn / wird eine Wiese seyn / Auf der ein Schäfers-Kind wird spielen mit den Herden.
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Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. Was Dieser heute baut, reißt Jener morgen ein; Wo jetzo Städte stehn, wird eine Wiese sein, Auf der ein Schäferskind wird spielen mit der Herden.
1822, nach einer gewissen Normierung durch Gottsched,
Freyer und Adelung
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Du sihst, wohin du sihst, nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo ietzund Städte stehn, wird eine Wiese sein, Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Heerden.
1880, nach den Regelungsvorstößen um
1850
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Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein; Wo jetzund Städte stehn, wird eine Wiese sein, Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.1951, seit 1901 geltende Regelung
Die Neuregelung 1996/1998 ergibt keinerlei Änderung, auch in den Anfangsstrophen der anderen bekannteren Gryphius-Sonette nicht.
1643 - 1698 - 1822 - 1880 - 1951 - 1998 - zurück zum SeitenanfangAus der Zeit, Nr.47 vom 14.11.97, Seite 20, im Rahmen eines sehr lesenswerten Dossiers zum Thema Rechtschreibreform.